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Gegenwind: „pro NRW“ in Angst


Antifa Wipperfürth

In den letzten Tagen häufen sich angesichts des geplanten „Kreuzzuges“ gegen die Duisburger Merkez-Moschee die Negativschlagzeilen über „pro NRW“ – Grund genug für die selbsternannte „Bürgerbewegung“ also, sich mal wieder als unschuldiges Opfer darzustellen. Doch auch diese Strategie drückt nur das aus, was mittlerweile immer deutlicher zu Tage tritt: Die Angst der pro-Bewegung vor einer neuerlichen Blamage.

Es reicht ein kurzer Blick auf die pro-NRW-Homepage, um festzustellen, dass die „Bürgerbewegung“ derzeit von allen möglichen Seiten angefeindet und verhöhnt wird: Medien, Landesregierung, Parteien, Kirchen, Schulen, Gewerkschaften sowie unzählige Organisationen und Einzelpersonen – sie alle rufen dazu auf, am kommenden Wochenende an den Gegenprotesten teilzunehmen und sich nicht von der fremdenfeindlichen Propaganda vereinnahmen zu lassen. Die pro-Bewegung nimmt diese Kritik als gefundenes Fressen auf und wähnt sich in Stellungnahmen auf ihrer Internetseite in der Opferrolle. Eine „Diffamierungskampagne“ laufe zur Zeit gegen „pro NRW“, man fühle sich durch „unglaubliche SA-Methoden“ verleumdet.

Dazu passt dann augenscheinlich auch, dass das Gelsenkirchener Schloss Horst, in dem am Samstag der Parteitag der pro-Bewegung stattfinden soll, von Unbekannten mit roter Farbe beschmiert wurde. Geradezu dankbar für diese Steilvorlage, spricht die pro-Bewegung von „linksextremem Protest“ und „Politkriminellen“. Vielleicht schon etwas zu auffällig dankbar – heißt es doch in der gestern veröffentlichten pro-NRW-Stellungnahme:

Wieder einmal hat sich gezeigt, von welcher Seite die politische Gewalt in Deutschland hauptsächlich ausgeht. […] Das Recht darf dem Unrecht nicht weichen, auch wenn dies vielleicht dem derzeit linken Zeitgeist entgegen kommen würde. Denn Gerichte, Polizei, Staatsanwaltschaften und die Behörden sind nicht auf den Zeitgeist vereidigt, sondern auf unser Grundgesetz und unsere Rechtsordnung.

Hatte da etwa wieder die vorgeblich so „seriöse Bürgerbewegung“ wieder ihre „helfenden Hände“ im Spiel? Bereits im vergangenen Jahr gab es Diskussionen darüber, ob ein angeblicher „Einbruch“ ins Büro des Gelsenkirchener pro-NRW-Mitglieds Kevin Gareth Hauer nicht bloß ein inszenierter Akt war, um sich in den öffentlichen Fokus und damit in die Opferrolle drängen zu können. Auch die Farbanschläge gegen das pro-Köln-Fraktionsbüro in der Kölner Altstadt im letzten Jahr boten Anlass zu Spekulationen: Waren daran nicht etwa – wie von „pro Köln“ behauptet – „gewalttätige Rotfaschisten“ beteiligt, sondern die sauberen Anzug-Biedermänner der pro-Bewegung?Beweise gibt es keine. Fakt ist jedoch, dass die „Bürgerbewegung“ von diesen Anschlägen profitiert. Wie sonst sollen die Rechtspopulisten der Öffentlichkeit deutlich machen, dass sie angeblich eine „demokratische“ Grundlinie verfolgen, als durch inszenierte Anschläge von frei erfundenen „Linksextremisten“? Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass sie letztlich auch selbst hinter dem Farbanschlag gegen Schloss Horst steckt. Dafür spricht auch, dass der Polizei ein Bekennerschreiben vorliegt, welches mit „autonome antifa“ unterzeichnet wurde. Allein schon die Tatsache, dass im gesamten Ruhrgebiet keine Gruppe existiert, die sich als „autonome antifa“ ohne jeglichen regionalen oder lokalen Zusatz bezeichnet, lässt an der Authenzität des Schreibens zweifeln. Ferner sind rechtsextreme Sympathisanten der „Bürgerbewegung“ bereits schon einmal durch die Veröffentlichung einer gefälschten Antifa-Mail aufgefallen, als der Bonner pro-NRW-Stadtrat Nico Ernst in einen Unfall mit einem Radfahrer verwickelt war und daraufhin von diesem verprügelt wurde.

Einen weiteren Nackenschlag musste die pro-Bewegung am heutigen Vormittag einstecken, als sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche einstimmig die rechtsextreme pro-NRW-Propaganda verurteilten und für das Wochenende zur Teilnahme an den Gegendemonstrationen aufriefen. Die gewohnt beleidigte Reaktion des pro-NRW-Führers Markus Beisicht:

Es stellt […] eine ungeheuerliche Unverfrorenheit dar, wenn ein Mann wie Nikolaus Schneider oder ein Bischof wie Felix Genn dreist bekunden, die politischen Positionen unserer christlich geprägten Bürgerbewegung seien angeblich mit dem christlichen Glauben nicht zu vereinbaren. Angesichts solcher Bischöfe muss man sich über leere Kirchen und massenhafte Kirchenaustritte nicht wundern. […] Im Gegensatz zu den erwähnten Bischöfen verteidigen wir den Wertekanon unseres Grundgesetzes gegenüber der islamistischen Herausforderung.

Unterdessen sind laut „pro NRW“ in Grevenbroich und in Minden die ersten Wahlplakate an den Straßenlaternen angebracht worden. Während die Pappaufhänger im Rhein-Kreis-Neuss am gestrigen Tag noch hingen, wurde die rassistische Propaganda in Minden bereits von fleißigen Helfern entfernt. Stattdessen zierten dort Plakate mit der Aufschrift „Pro Nächstenliebe – Keine Stimme für pro NRW“ die Laternen. Die geradezu tragikomische Stellungnahme der „Bürgerbewegung“:

Warum sich pro NRW und Nächstenliebe ausschließen sollen, dürfte wohl außer verblendeten Extremisten niemandem deutlich werden.

Wie vielen Menschen tatsächlich klar ist, dass „pro NRW“ das komplette Gegenteil von „Nächstenliebe“ darstellt, wird sich bereits am morgigen Freitag zeigen: Ab 10 Uhr führt die rechtspopulistische Gruppierung sogenannte „Mahnwachen“ in Oberhausen-Sterkrade, Herten, Mülheim, Gelsenkirchen-Horst, Essen-Katernberg und Bochum durch. Die Polizei kündigte bereits an, dass sie zu allen Veranstaltungen deutlich mehr „Linke“ als „Rechte“ erwartet. Ein Grund mehr also für alle fremdenfeindlichen Pseudodemokraten, auch weiterhin Angst zu haben: Angst vor einer weiteren Blamage…

25. März 2010 - Geschrieben von | Uncategorized | , , , ,

1 Kommentar »

  1. [...] kleiner Zusatz ein Link zu einem Artikel aus einem Blog über Pro NRW bei der es gerade um die aktuellen Proteste insbesondere aber auch die Urheberschaft des Anschlags [...]

    Pingback von Grünes Gelsenkirchen » Grün stellt sich quer | 25. März 2010 | Antwort


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